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Städtepartnerschaft

Die drei Artikel auf dieser Seite wurden der Dorstener Zeitung vom 24. August 2010 entnommen.

Aus einer Patenschaft für Rybnik entwickelte sich die Partnerschaft mit Rybnik

Rybnik (Polen), das wir heute in unserer Partnerschaftsserie vorstellen, ist eine kreisfreie Stadt in Schlesien, nahe der Grenze zu Tschechien. Sie liegt 100 Kilometer von Krakau entfernt. Der Ortsname bedeutet „Fischteich", wie man auch dem Wappentier entnehmen kann. Die Stadt, die mehrfach zwischen Polen und Deutschland hin- und her wechselte, hat mehr als 140000 Einwohner und liegt damit an 25. Stelle in Polen. In der Nachkriegszeit gewann in Rybnik der Steinkohlen bergbau an Bedeutung. In den 1970er

Jahren entstand ein Kohlekraftwerk, das sein Kühlwasser aus einem eigens angelegten Stausee bezieht. 2002 wurde in Rybnik ein moderner Campus eröffnet, auf dem die Wirtschaftsakademie, die Schlesische Universität in Kattowitz sowie die Schlesische Technische Hochschule in Gleiwitz jeweils Außenstellen haben.
Rybnik hat allein drei Partnerstädte in Frankreich, mit Newtonwnabey eine gemeinsame Partnerstadt und ist neben

Dorsten in Deutschland noch mit Eurasburg und Bedburg-Hau verbandetlt.
zu den Söhnen und Töchtern der Stadt gehören die in Rybnik geborenen Thomas Godoy (Sänger), Thomas Zdebel (Bundesligaspieler). und das Fotomodell Ewa Sonnet. Der EX-WDR-Intendant Friedrich Nowottny besuchte in Rybnik die Schule.


Historie einer Freundschaft

Der Partnerschaft mit Rybnik vorausgegangen ist eine Patenschaft. Als nach dem Zweiten Weltkrieg Oberschlesien zurück an Polen fiel, wurde die deutsche Bevölkerung „repolonisiert" oder aber vertrieben, sofern sie nicht längst geflohen war. Ein großer Teil der Deutschen aus Rybnik gelangte damals nach Dorsten. Die Stadt übernahm eine langjährige Patenschaft für die Vertriebenen.Später entwickelten sich Freundeskreise und persönliche Kontakte.
  Die offizielle Partnerschaft mit Rybnik gibt es aber erst seit 1994. Bedingt durch die politischen Veränderungen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks kam der Dorstener FDP-Mann Hans-Joachim Thelen im Sommer 1991 auf die Idee, eine polnische Stadt bei ihrem Streben nach Demokratie, Freiheitlichkeit und Rechtsstaatlichkeit zu unterstützen. Er schrieb einen Brief an den Bürgermeister von Rybnik. Zwar wusste er nicht, wie dieser hieß, aber er schlug ihm vor, sich über Alltagsleben, Brauchtum und Kultur auszutauschen.
  Der Bürgermeister von Rybnik lud daraufhin eine Dorstener Delegation ein, die am 3. Oktober 1991 nach Polen reiste. Privat kam der Rybniker Bürgermeister Makosz ein halbes Jahr später zu einem Gegenbesuch

nach Dorsten, ohne dass es zu offiziellen Kontakten mit dem Rathaus kam.
  Mit der Zeit vergrößerten sich die Besuchsgruppen und es gelang der FDP-Initiative, den damaligen Dorstener Bürgermeister Heinz Ritter mit ins Boot zu holen. Auch die deutsche Minderheit hatte sich in Rybnik als Verein formiert und nahm Kontakt mit Dorsten auf.
  Das Vorhaben zog seine Kreise. Allerdings hatte auch der Verein für jüdische Geschichte und Religion seinen Wunsch angemeldet, eine Partnerstadt mit einer Stadt in Israel einzugehen. Was tun? „Hier kam Heinz Ritters politische Routine zum Tragen", schrieb Hans-Joachim Thelen in einem Städtepartnerschafts-Beitrag zum letztjährigen Dorstener Heimatkalender. Er packte beide Anträge in einen und der Doppelpack wurde angenommen.
  Im April 1994 wurde in Rybnik die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Die Grünen wünschten sich übrigens damals, dass in der deutschsprachigen Urkunde der polnische Name der neuen Partnerstadt gewählt wurde. Der Wunsch wurde erfüllt: Die deutsche Bezeichnung „Rybnik" ist auch die polnische. MK


Austausch der Kulturen

Von Partnerschaftsfesten profitieren alle Beteiligten

Auf die Frage, was die Partnerschaft zwischen Dorsten und Rybnik ausmacht, antwortet Hans-Joachim Thelen, Vorsitzender des Freundeskreises Rybnik, wie aus der Pistole geschossen: „Der Kulturaustausch. Und das von Anfang an."
  Die jährlich stattfindenden Partnerschafts- feste, hier die Rybnik-Tage, dort das Patronatsfest, sorgen dafür, dass die Freundschaftskreise beider Seiten zahlreiche persönliche Begegnungen ermöglichen können. „Meist sind 100 Personen wechselseitig zu Gast, die das Leben der Gastgeber kennen lernen können."
  In diesem Jahr [2010] hatte der Freundeskreis Rybnik das Blasorchester St. Antonius und das Fanfarencorps Hervest zu Auftritten mit nach Polen genommen. „Das Fanfarencorps hatte vor mehr als 15 Jahren auch den Anfang gemacht", so Hans-Joachim Thelen, der die Städte- partnerschaft initiiert hatte. Ansonsten sind es Maler, Tänzer, Fotografen, Brauchtumsbewah-

rer, die Austausch lebendig gestalten. „Nur keine Theaterleute, das ist wegender Sprache schwierig", so Thelen.
  Wobei: „Das Motiv des Sprachenlernens ist schon da. Allerdings mehr auf der polnischen Seite", so Hans-Joachim Thelen. Das zeigt sich vor allem daran, dass die Rybniker Schulen ganz wild auf Schulpartnerschaften gewesen seien. „Die dortigen Beruflichen Schulen haben wir an das Dorstener Berufskolleg vermittelt, das Gymnasium der Aufständischen an das Gymnasium Petrinum." Weil der Markt in Dorsten ansonsten gesättigt gewesen wäre, musste der Freundeskreis die weiteren Beziehungswünsche an Schulen in Reken, Essen und Marl weitergegeben.
“Der Altruismus der Dorstener hält sich in Grenzen", so Thelen. „Wir haben es schwerer als andere Freundschaftskreise,”weil man bei uns geben muss und nicht so sehr profitiert." 40 bis 50 Mitglieder hat der Freundeskreis Rybnik - in Dorsten, dessen Pendant auf der anderen

Seite der Arbeitskreis Rybnik-Europa ist. „Der ist aber anders organi- siert", so Hans-Joachim Thelen. Denn er ist der Dachverband aller Rybniker Partner- schaften, von denen es insgesamt zwölf gibt, davon allein drei in Frankreich. Obgleich der Freundeskreis Rybnik wenig regel- mäßige Veranstaltungen organisiert, hat er mit der Organisation und Vorbereitung der jeweiligen Kulturtage eine Menge zu tun. „Wir nehmen uns jedes Jahr so viel vor die Brust, wie es andere nur zu Jubiläumsfesten machen. Da steckt so viel Arbeit drin, da haben wir Monate mit zu tun", so Thelen.
  Dabei profitiert der Freundeskreis von den Kontakten. die sich parallel zu seinen Aktivitäten entwickelt haben. HansJoachim Thelen hebt insbesondere den Jugendaustausch des Rhaders Johann Brodsza hervor und den Austausch der beiden Kirchengemeinden St. Nikolaus und St.Theresa in Rybnik. MK

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